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Mittwoch,19September,2018

Seitenvorschub...

 

Jeder kennt die Problematik des Seitenvorschubs bei rückstichgehefteten Broschüren. Gemeint ist damit, dass die inneren Seiten im Vergleich zu den äußeren Seiten kürzer sind. Dies entsteht dadurch, dass bei gehefteten Produkten die Falzbogen ineinandergesteckt und damit die inneren Bogenteile nach außen geschoben werden.

Beim dreiseitigen Endbeschnitt wird die Vorderkante dann aber glatt beschnitten, was zur Folge hat, dass die inneren Seiten dann kürzer sind. Dies ist leider unvermeidlich und kann in der Vorstufe nur berücksichtigt werden, indem man beim Ausschießen die inneren Seiten um den Bundversatz nach innen rückt, sprich je näher zur Heftmitte die Seite liegt, desto mehr muss man die Seite in den Bund schieben. Damit kann man erreichen, dass die Ränder außen gleich bleiben, was insbesondere wichtig ist, wenn man z.B. will, dass die Seitenzahlen außen immer an derselben Stelle stehen.

ABER: den Bundausgleich kann man nur machen, solange das Layout es zulässt. Gibt es über den Bund laufende Bilder, Texte oder ähnliches, ist der Bundausgleich nicht mehr möglich, da sonst wichtige Details im Bund verschwinden können. In diesem Falle muss dieser Ausgleich bereits beim Anlegen der Daten passieren. Immer wieder wichtig ist die Berücksichtigung dieser Gegebenheit bei der Verwendung von umlaufenden Rahmen.

Errechnen kann man sich den Seitenvorschub relativ einfach. Er entspricht in etwa der Hälfte der Heftstärke. Sprich hat man sich die Blockstärke eines Heftes errechnet (siehe separaten Punkt), kann man davon ausgehen, dass die innerste Seite des Heftes um etwa die Hälfte dieser Stärke kürzer ist als der Umschlag, bzw. die äußerste Seite.

Beispiel:
Man hat ein Heft mit 96 Seiten Umfang und einer Blockstärke von 7 mm.
Dann kann man davon ausgehen, dass die Seiten (Blätter) 47/48 und 49/50 (Heftmitte) um ca. 3,5 mm kürzer sind, als die Seiten (Blätter) 1/2 und 95/96 (Umschlag).

Die 3,5 mm entsprechen dabei der maximalen Verkürzung in der Heftmitte. Alle dazwischen liegenden Seiten, sowohl zum Heftanfang als auch zum Heftende, haben Werte die dazwischen liegen. Man kann dabei rechnerisch von einer linearen Veränderung ausgehen. Hier bedeutet es, dass man pro 2 Seiten (1 Blatt) eine Seitenverkürzung von ca. 0,146 mm hat (Berechnung: 3,5 mm : 24 Blatt).

So wären dann z.B. die Seiten (Blatt) 23/24 um ca. 1,7 mm verkürzt gegenüber dem eigentlichen Endformat
(0,146 mm x 12 Blatt). Diese Verkürzung entspricht dann auch die Verkürzung bei den Seiten (Blatt) 73/74.

Noch mehr als bei vielen anderen Berechnungen muss man auch hier beachten, dass es sich bei den berechneten Werten um Richtwerte handelt. Die Weiterverarbeitung unterliegt Toleranzen und Schwankungen, die die berechneten Werte einzelner Seiten deutlich von gemessenen Werten am Endprodukt abweichen lassen können.
Handelt es sich um ein layout-technisch heikles Produkt (z.B. umlaufende Rahmen), empfiehlt sich hier die Anfertigung eines Weißmusters mit Originalpapier, dem man die Werte auch messtechnisch entnehmen kann.

Alle Angaben ohne Gewähr.